24.05.2026 – Funchal
Bom Dia Madeira!
Es ist 7 Uhr morgens. Durch das große Fenster fällt unser Blick direkt auf das offene Meer. Das erste Morgenlicht verwandelt den Horizont in eine Leinwand aus sanften Farben. Der Himmel verschmilzt in Pastelltönen von zartem Gelb über Puderrosa bis hin zu kühlem Blau mit dem Atlantik. Die Weite des Ozeans strahlt eine unglaubliche Ruhe aus.
Es ist nichts Spektakuläres, kein dramatischer Sonnenaufgang, sondern ein leiser, unaufgeregter Moment – und trotzdem wunderschön.
Dann heißt es: Raus aus den Federn und rein in die Klamotten! Heute wollen wir die Hauptstadt Madeiras unsicher machen und schauen, was der Tag bringt!
Funchal liegt an der sonnigen Südküste von Madeira und erstreckt sich in Form eines Amphitheaters vom Atlantik die Berghänge hinauf. Der Name leitet sich vom portugiesischen Wort „funcho“ für Fenchel ab. Diese Pflanze fanden die frühen Siedler hier in großer Menge vor. Das erklärt auch die traditionellen Fenchelbonbons.
Dank ihrer Lage zwischen Meer und Bergen genießt Funchal ein mildes, ausgeglichenes Klima, das das ganze Jahr über angenehm warm und sonnig ist. Die lebendige Stadt ist das wirtschaftliche, kulturelle und politische Zentrum der Insel.
Wir parken im Parkhaus Almirante Reis. Es ist 8.30 Uhr und Funchal wirkt noch etwas verschlafen. Die Straßen sind ruhig, nur vereinzelt rollen Lieferwagen über das Kopfsteinpflaster, während sich ein paar frühe Spaziergänger ihren ersten Kaffee holen.
Wir machen uns auf den kurzen Weg zur Markthalle Mercado dos Lavradores. Schon vor dem Betreten fällt der Blick auf die kunstvoll gestalteten Fliesenbilder, die die Wände und Eingangsbereiche schmücken. Diese typisch portugiesischen Azulejos zeigen kleine Szenen aus dem Alltag Madeiras und verleihen dem Gebäude einen ganz eigenen Charme
Vor dem Eingang steht eine Blumenverkäuferin in traditioneller, farbenfroher Tracht. Ihre Tracht ist vorwiegend in leuchtendem Rot gehalten. Sie trägt einen weiten, langen Rock aus Wollstoff mit bunten vertikalen Streifen, dazu eine weiße Bluse unter einer eng anliegenden Weste. Auf dem Kopf trägt sie ein kleines, kegelförmiges Wollkäppchen mit einem Zipfel, die sogenannte Carapuca. Sie lächelt als sie uns ansieht und ruft ein fröhliches „Bom dia!“ herüber.
Die Markthalle ist offen gebaut, zweistöckig und schon beim Betreten spürt man dieses typische Marktrauschen, nicht laut, aber lebendig. Die obere Etage verläuft wie ein Balkon um die Halle herum; von dort haben wir später einen guten Blick auf das Geschehen unten.
In der Markthalle selbst herrscht noch angenehme Morgenstille. Einige Händler richten ihre Stände gerade her. Obstkisten werden aufeinandergestapelt, Papayas poliert und Früchte in geometrischer Perfektion arrangiert.
Der erste Blick ist überwältigend: Stände über Stände mit exotischen Früchten, deren Namen wir nicht kennen
Heute ist Samstag und am frühen Morgen gehört der Markt noch den Einheimischen. Sie kaufen für das Wochenende ein, gehen zielstrebig von Stand zu Stand und wissen genau, bei wem sie kaufen möchten. Zwischen den Ständen wird geplaudert, kurz gelacht und Neuigkeiten ausgetauscht.
Wir schlendern durch die Halle und bleiben vor den farbenfrohen Ständen stehen. Eine Unmenge an exotischen Früchten ist dort ordentlich gestapelt. Auf den kleinen Schildern stehen Namen, die wir zum ersten Mal lesen. Einige klingen vertraut, andere wie aus einer anderen Welt.
Die Cherimoya, die auch als Annona oder Zimtapfel bezeichnet wird, sieht mit ihrer schuppigen Schale aus wie ein Drachenei. Eine weitere exotische Frucht ist die Monstera deliciosa, auch Ananasbanane genannt, die wie ein riesiger grüner Tannenzapfen aussieht. Tamarillo, Guanabana, Papaya, Pitanga und schließlich Maracujas in allen Variationen. Es gibt Tomatenmaracujas, Zitronenmaracujas, Bananenmaracujas und so weiter. Wenn es stimmt, soll es etwa acht verschiedene Sorten geben.
Ich will ein paar Früchte zum Probieren mitnehmen, hatte im Vorfeld aber gelesen, dass Touristen hier oft und gerne übers Ohr gehauen werden. Vielleicht nicht böse, gemeint, eher geschäftstüchtig. Ein Verkäufer spricht mich an, lädt mich zum Probieren ein. Ich lächle und bitte um faire Preise, da ich von den Tricks gehört hätte. Der Mann nickt, vielleicht ein wenig überrascht, aber nicht unfreundlich. Er erklärt uns ein paar Sorten, lässt uns vorsichtig probieren. Beim Bezahlen (wir finden den Preis angemessen) bekommen wir noch eine Handvoll Pitangas (die zeig ich euch später) geschenkt.