Wie es dazu kam … Vorüberlegungen und Vorbereitung
Es war der 8. April 2024, wir standen gerade am Flughafen Barcelona und warteten auf unseren Heimflug, als Amelie sagte: „Ich will nächstes Jahr auf den Kili! Mit dir!“
Ich traute meinen Ohren nicht, meine Tochter, die außer den Wanderungen auf unseren Reisen noch nie eine längere Wandertour unternommen hatte, wollte auf den höchsten Berg Afrikas. Aber nachdem im Jahr davor auf VaTo-Abenteuertour in Uganda gewesen war, hatte sie etwas gut. Und natürlich wusste sie, kaum dass sie den Samen gelegt hatte, dass ich mich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen würde.
Damit verbunden war die Frage, ob wir das überhaupt schaffen könnten, deshalb warf ich noch Indonesien mit Orang-Utans und Komodowaranen in den Ring. Wir schwankten zwischen beiden Alternativen hin und her, bis wir uns einige Wochen später bei einer größeren Familienfeier einfanden. Amelie verkündete der Verwandtschaft, dass sie nächstes Jahr mit ihrem Papa auf Abenteuertour geht, entweder Kilimandscharo oder Indonesien. Ich schaute sie kurz an und unterbrach sie: „Amelie, wir gehen hoch!“
Amelie erfasste die Aussage sofort und verbesserte sich vor versammelter Mannschaft: „Und nächstes Jahr gehe ich mit Papa auf den Kili!“
Die Entscheidung war gefallen und Amelie und ich hatten unser persönliches Begrüßungsritual gefunden, das Ritual, das uns von nun an für immer verbinden würde:
Einer ruft : „Kili! Kili!“
Der andere ergänzt: „Mandscharo“
und beide gemeinsam: „Pole, pole!“ (langsam, langsam!)
Zur Vorbereitung liefen wir zusammen mit Leonie und meinem Schwager im August 24 den Hochpustertaler Höhenweg in den Dolomiten. Dieser ist zwar nicht einer Kili-Besteigung zu vergleichen, trotzdem konnte Amelie erfahren, wie es ist jeden Tag laufen zu müssen, längere Anstiege zu meistern und mit einem gewissen Komfortverzicht zu leben, alles Dinge, auch am Kili eine Rolle spielen würden. Außerdem wollten wir vor Abflug noch ein paar Tage ins Allgäu zum Bergwandern, was wir zeitlich aber leider nicht mehr schafften.
Hier ein paar schnelle Eindrücke aus dem Hochpustertaler Höhenweg.
Parallel mussten wir aber auch ganz direkte Entscheidungen treffen: Welche Route? Welcher Anbieter? Welche Ausrüstung?
Welcher Anbieter?
Nach Vergleich verschiedener Anbieter entscheiden wir uns schließlich für AT Reisen. Der Inhaber, Peter Kiefer, war selbst schon mehrfach oben auf dem Kili. Er konnte alle Fragen aus eigener Erfahrung beantworten, und nebenbei merkten wir, dass er für die Sache brannte.
Wir fühlten uns während der Vorbereitungszeit also kompetent beraten. Das i-Tüpfelchen war eine 2,5 stündige Online-Session ca. 3 Woche vor Beginn der Besteigung. Hier lernten wir die anderen Mitglieder unser Gruppe kennen, Antje, Martina, Hendrik und Thomas (nur Lennie meldete sich später an), Herr Kiefer ging im Detail alle Etappen durch und keine Frage blieb unbeantwortet. Am Ende der Sitzung hatten wir alle ein positives Gefühl und konnten kaum erwarten, dass es endlich losging …
Welche Route?
Es gibt verschiedene Wege, die auf den Kili führen. (entnommen aus:
https://kilimanjarolifetimeadventures.com/wp-content/uploads/2022/11/kilimanjaro-routes-map.png
Die Marangu-Route die auch als "Coca-Cola-Route" bezeichnet wird, ist die einzige Route, die Übernachtungen in Hütten bietet. Auf den Hütten kann man Cola kaufen – daher der Spitznamen. Sie ist wahrscheinlich die bequemste Tour, bietet aber die wenigsten Akklimatisierungsmöglichkeiten und hat damit die geringsten Gipfelchancen. Sie fiel daher raus. Wir würden also im Zelt übernachten.
Die Umbwe-Route ist eine der kürzesten und am wenigsten überlaufenen Routen in den ersten Tagen. Sie ist besonders im ersten Teil am anspruchsvollsten und damit eher für erfahrene Hochgebirgswanderer geeignet.
Die Rongai-Route die einzige Route, die am Nordhang beginnt. Sie endet in Marangu im Süden und ermöglicht auf beide Seiten des Berges.
Die Lemosho-Route ist der landschaftlich schönste Weg mit einem hervorragenden Akklimatisierungsprofil und teilt sich später den Weg auf den Gipfel mit der Macheme Route.
Die Machame-Route ist auch als "Whiskey-Route" bekannt, da sie im Gegensatz zur Marangu Route keine Hütten hat, und ist mittlerweile der beliebteste Weg am Berg. Sie bietet auch tolle Aussichten und eine gute Akklimatisierung.
Die
Mweka-Route wird für den Aufstieg nicht verwendet, sondern u.a. als schnelle Abstiegsroute auch für die Machema -Route
Wir schwankten zwischen Lemosho und Machame. Da Machame bei AT-Reisen terminlich besser für uns passte, wurde es schließlich die Whiskey-Route.
Welche Ausrüstung?
Da wir noch keine Erfahrungen mit hochalpinen Touren hatten, wir im Zelt schlafen würden und unter Umständen auch mit Temperaturen bis -15 Grad rechnen mussten, war das die zentrale Frage. Aufgrund früherer Wanderungen hatten wir bereits einen Teil der Ausrüstung, andere Sachen, v.a. Merino-Sachen mussten wir ergänzen.
Da man bei einer Kili-Besteigung alle Klimazonen vom tropischen Bergregenwald bis hin zur hochalpinen Gipfelzone durchläuft, folgt die Ausrüstung dem Zwiebelprinzip. Will heißen: Mit jedem Wandertag zieht man sich immer wärmer an.
Es macht hier keinen Sinn, jeden Ausrüstungsgegenstand aufzuzählen, daher nur ein paar unabdingbare Essentials:
kurze und lange Merino-Wäsche, ein dünne Daunenjacke mit hoher Isolationskraft und natürlich gute Schlafsäcke. Von früheren Urlauben hatten wir Schlafsäcke mit einem Komfortbereich bis -8 Grad, die für die meisten Übernachtungen ausreichen würden.
Besonderes Augenmerk mussten wir auf die die Gipfelnacht auf über 4600 m Höhe legen, im Extremfall mit Temperaturen bis – 15 Grad) und dem nächtlichen Aufstieg bei eisigen Temperaturen. Für die Zeltnacht nahmen wir noch zusätzlich dünne Daunenschlafsäcke mit, die wir in dieser Nacht zusätzlich als Inlet verwenden wollten. Des Weiteren packten wir zusätzlich zum Buff noch Sturmhauben ein und schließlich noch je ein Paar Fingerhandschuhe und Fäustlinge.
Während der Expedition wird das Hauptgepäck von einem Porter getragen, dabei darf die Tasche nicht mehr als 13 kg wiegen. Ca. 2 Wochen vor Abflug packten wir die Taschen zur Probe und kamen auf ca 10,5 kg. Mit der noch zu ergänzenden Zusatzverpflegung in Form von Energie-Riegeln und der Reiseapotheke lagen wir also locker drunter.
Hier unsere Ausrüstung für die Bergtasche:
Zusätzlich trägt jeder Teilnehmer noch seinen Tagesrucksack mit Regensachen, Kleidung zum Drüberziehen, 2 Trinkflaschen …
Hier unsere Ausrüstung und Bekleidung für die erste Bergetappe:
Dagegen war die Ausrüstung für den Sansibar-Teil der Reise doch recht überschaubar
Wir waren startklar und fieberten den Abflugtag entgegen …
Viele Grüße
Harald